Erlebnispädagogisches Schullandheim Barkhausen

Schulklassen und Gruppen aus sozialen Brennpunkten sind die vorrangige Zielgruppe des erlebnispädagogischen Schullandheims Barkhausen bei Osnabrück. Fernab von einem nicht selten problematischen Umfeld entdecken sie sich dort neu, stärken ihr Selbstbewusstsein und ebenso das Gemeinschaftsgefühl innerhalb ihrer Klasse, mit der sie anreisen.

Idyllisch im Grünen gelegen erstreckt sich das Gelände über etwa zwei Hektar Erlebnisgarten mit Fußballfeld, Weiden-Labyrinth, Tierstellen, Balancierelementen und vieles mehr. Das Schullandheim, das es seit 1918 gibt, kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und wurde 1780 als Pfarrhaus gegründet. Das merkt man den Räumlichkeiten und Möbeln auch an und fühlt sich fast in eine andere Zeit versetzt, etwa in dem holzverkleideten und reich verzierten Speisesaal mit den hohen Decken. Für Kinder und Jugendliche von 10 bis 16 Jahren, die in den meisten Fällen mit der ganzen Klasse angereist kommen, wird hier bis zu 10 Tage lang viel geboten – sie können Bogenschießen, Figuren aus der Schafwolle filzen, sich um die Hühner kümmern, im Kräutergarten umschauen, backen und kochen oder im Wellnessraum entspannen.

Mit ihren Angeboten und Maßnahmen verfolgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Schullandheims verschiedene Ziele. Die Klassengemeinschaft soll gestärkt und die Anerkennung und der Respekt zwischen den Gruppenmitgliedern aufgebaut werden. Neben gruppen- gibt es auch individualpädagogische Zielsetzungen. Durch die gemachten Erfahrungen erkennen die Kinder und Jugendliche ihre eigenen Stärken und lernen sie auszuweiten. Das stärkt letztlich auch ihr Selbstbewusstsein und –Vertrauen. Ein anderer wichtiger Aspekt der Arbeit mit den Jugendlichen ist, dass sie sich viel in der Natur aufhalten und – etwa bei Backen oder Filzen – mit natürlichen Materialien umgehen. Sie erleben und erkennen Naturkreisläufe und schaffen sich einen positiven emotionalen Zugang zur Natur. Gerade letztes ist ihnen, gerade wenn sie aus einer Großstadt kommen, oft völlig unbekannt. 

Als ein Höhepunkt und fester Bestandteil des Programms des erlebnispädagogisch ausgerichteten Schullandheims ist der im nahe gelegenen, eigenen Wald erbaute Hochseilgarten zu sehen. Mit hohen und niedrigen Seilelementen wird der Hochseilgarten verschiedenen Bedürfnissen und pädagogischen Maßnahmen gerecht. In einer Einführung lernen die Kinder und Jugendlichen zunächst die technische Seite des Hochseilgartens kennen. Zugleich werden jedoch Themen wie Zusammenhalt, Vertrauen und Verantwortung besprochen. Nach dieser Einführung und mit dem Wissen über die wichtigsten Knoten und das Sichern ihrer Klassenkameraden beginnen die eigentlichen Kletteraktionen. Hier lernen sich die Kinder und Jugendlichen in Momenten des Zögerns und der Entschlossenheit sich selbst und auch den anderen von einer ganz neuen Seite kennen. Zugleich werden Abhängigkeiten innerhalb der Gruppe deutlich. Das Entdecken und Ausloten der eigenen Grenzen wird möglicherweise erst durch die Unterstützung der anderen möglich, so entstehen neue Formen der Nähe und Verbundenheit.

Der Hochseilgarten, der im Jahre 2001 erbaut wurde, war zuletzt durch die natürliche Alterung der Bäume sehr marode und musste teilweise gesperrt werden. Zudem konnten neue technische Standards im Bereich der Hochseilgärten nicht integriert werden. Die letzte Prüfung des Hochseilgartens im März 2009 hatte ergeben, dass er nur noch für etwa ein halbes Jahr genutzt werden darf. Für das Schullandheim Barkhausen bedeutet die Schließung des Hochseilgartens jedoch einen herben Verlust. Ein wichtiger Bestandteil des erlebnispädagogischen Konzepts würde wegfallen.

Aus diesem Grunde haben sich die Teilnehmer der ersten Delegiertenversammlung von HELP im April 2009 einstimmig dazu entschlossen, die Kosten für den Bau eines neuen Hochseilgartens zu übernehmen. In Zukunft möchte der Verein die Kooperation außerdem dazu nutzen, einen Besuch des Schullandheims in die HELP-Projekte „Starke Kinder!“ und „Mission:Topfit“ einzubauen. Innerhalb dieser Kurse könnte HELP auch ein Element verwirklichen, dass anderen Klassen, die das Schullandheim besuchen, oft fehlt. „Viele kommen sehr unvorbereitet hierher und denken, sie sind hier in den Ferien“, erzählt der Leiter des Schullandheims, Ivo Neuber. Dass sie während des Aufenthalts aber an sich arbeiten und mit der Klassengemeinschaft auseinandersetzen sollen, können die Kursleiter der HELP-Angebote im Vorfeld mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern besprechen.

HELP unterstützte das Erlebnispädagogische Schullandheim Barkhausen vom Mai 2009 bis Juni 2010 bei der Erbauung des Hochseilgartens.

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