Grundschule Sandheide

Die Grundschule Sandheide in Erkrath bei Düsseldorf liegt in einem sozialen Brennpunkt. Viele der Schüler stammen aus schwierigen Verhältnissen. Mit einem von HELP mitfinanziertem „Coolness-Training“ lernen die Schülerinnen und Schüler einen guten Umgang mit Konflikten.

Meldungen von Gewalt unter Kindern und Jugendlichen sind keine Seltenheit mehr, sie gehören vielmehr zu unserem Alltag schon fast dazu. Um der Gewaltbereitschaft vorzubeugen, die besonders unter einer kleinen Gruppe der jungen Menschen immer mehr zunimmt, gibt es mittlerweile Anti-Gewalt-Kurse, die in Schulen angeboten werden. „Coolness“ ist solch ein Training gegen Schulgewalt. Die Pädagogin Ina Niegengerd-Heinrich hat sich eineinhalb Jahre zur Leiterin von Coolness-Trainings ausbilden lassen und besuchte darüber hinaus auch Weiterbildungen zum Einüben in Zivilcourage, zur Ausbildung von Streitschlichtern und zu einem Deeskalationstraining. 

Diesen „Mix“ an Weiterbildungen lässt die Pädagogin, die bereits seit 20 Jahren an der Grundschule Sandheide in Erkrath bei Düsseldorf tätig ist, in ihre Kurse einfließen. „Ich habe ein eigenes Konzept erstellt, das speziell auf jüngere Kinder ausgerichtet ist“, erzählt Niegengerd-Heinrich. In jungen Jahren, davon ist sie überzeugt, kann man noch am meisten Einfluss auf die Einstellung der Kids zu Gewalt nehmen. Neben den Kursen in der Grundschule Sandheide gibt sie auch Trainings in anderen Schulen. „Am liebsten würde ich nichts anderes machen“, erklärt die Pädagogin und es wird deutlich, wie viel Spaß ihr die Trainings machen. Aber nicht nur bei ihr hinterlassen die Kurse bleibenden Eindruck. Das Coolness-Training ist langfristig angelegt, geht über mehrere Wochen und ist dementsprechend intensiv. „Die Gruppe wächst zusammen und es herrscht ein vertrauter Umgang miteinander, der es möglich macht, dass die Kinder sehr offen von ihren Erlebnissen erzählen“, beschreibt Niegengerd-Heinrich die Entwicklung der Gruppe während des Trainings. Und dieses positive Miteinander mache sich auch im „normalen“ Unterricht bemerkbar, das hätten ihr bereits viele Lehrer zurückgemeldet.

Die Inhalte des Coolness-Trainings sind zu großen Teilen auf Konfrontation ausgerichtet. In Rollenspielen spüren die Teilnehmer am eigenen Leibe, was es heißt, Opfer, aber auch Täter zu sein. Wichtig bei dem Training ist eine möglichst realistische Darstellung, etwa, indem einige zu „Zurufern“ werden, die die Gewaltbereitschaft pushen. Ein weiterer Punkt ist, das Selbstbewusstsein – besonders von eher schüchternen Schülern – zu stärken. Wenn nun etwa zwei Schüler nach dem gleichen "Redestein" greifen (der dafür eingesetzt wird, um einen Redebeitrag anzukündigen) und einer der Schüler für den anderen verzichtet, wird er für seine Großzügigkeit gelobt. Wichtig ist aber auch hier, dass sich die Rollen nicht einschleifen, sondern am nächsten Tag auch alles wieder ganz anders aussehen kann und das Spiel sozusagen neu beginnt. Außerdem wird das Verhalten beider in der Gruppe reflektiert. Dabei wird demjenigen, der den Stein genommen hat, auch immer noch die Möglichkeit aufgezeigt, den Stein an den Schüler, der verzichtet hat, abgeben zu können.

Die Schüler sollen für die Belange des Anderen und darin, wie Gewalt entstehen oder vermieden werden kann, sensibilisiert werden. Etwa bei einem „Schreitraining“. Hier werfen sich zwei Schüler immer lauter werdend ein Ja! und ein Nein! an den Kopf. Um anschließend die Erfahrung zu machen, dass dieser Effekt auch andersherum ablaufen kann: Wenn ich leiser werde, wird das auch der Andere!

Neben dieser „lauten“ und ausdrucksstarken Seite des Coolness-Trainings gibt es aber auch eine ruhige. So macht die Pädagogin Niegengerd-Heinrich mit den Teilnehmern die Phantasiereise „Zauber gegen die Wut“. Davon, wie ruhig die Teilnehmer hierbei werden, auch die eher auffälligen, die kaum stillsitzen können, ist sie immer wieder überrascht. Die Kinder scheinen ein ganz grundlegendes Bedürfnis nach Ruhe zu haben.

HELP beteiligte sich an der Finanzierung des Coolness-Trainings an der Grundschule Sandheide in Erkrath bei Düsseldorf. Bei dem Training setzen sich Schüler mit Gewalt auseinander, werden gestärkt und füreinander sensibilisiert.

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