Wenn Eltern und Kinder Raum für sich brauchen

Auf der neonatologischen Intensivstation der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) versterben jährlich ungefähr 20 bis 25 Früh- und Neugeborene. Die Phase des Sterbens ist dabei sehr unterschiedlich lang. Manche Kinder versterben innerhalb weniger Stunden, nachdem offensichtlich wurde, dass eine Heilung nicht möglich ist. Bei anderen Kindern besteht einige Tage oder sogar zwei oder drei Wochen eine palliative Phase, während derer sie und ihre Familien betreut werden müssen.

Bisher verbleiben die Kinder in dem Zimmer, in dem sie zuvor behandelt worden sind. Dabei handelt es sich um 2- bis 4-Bettzimmer. Dieser Zustand stellt für die Familien jedoch häufig eine unerträgliche Situation dar, denn um sie herum spielt sich die Klinikroutine ab. Auf die besondere Situation der Familie kann keine Rücksicht genommen werden. Auch andere Eltern, die natürlich erfassen, was vor sich geht, sind emotional sehr belastet.

Aus dem Wunsch heraus, den Eltern mehr Privatsphäre mit ihrem Kind zu ermöglichen, entschied sich die MHH dazu, einen ehemaligen Ambulanzraum auf der Station zu einem Abschiedszimmer auszubauen. Der entsprechende Raum steht bereits seit 2014 zur Verfügung.

Doch die notwendigen Baumaßnahmen konnten bisher aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Darüber hinaus kann der Aus- und Umbau des Zimmers nur erfolgen, wenn die erforderlichen Bestimmungen und Vorschriften für Medizinprodukte eingehalten werden.

Die Einrichtung eines Intensivbehandlungsplatzes muss die Möglichkeit zur Beatmung bieten – denn Kinder und Eltern sollen mehrere Tage dort betreut werden können. Dementsprechend müssen die Versorgungsleitungen für Sauerstoff, Druckluft und Vakuum (einschließlich der dazugehörigen Absaugvorrichtung) verlegt werden. Dazu gehört auch der Anschluss der Leitungen an das Notstrom-Aggregat.

Außerdem werden Injektomaten, ein Monitoring sowie entsprechende Halte- und Ablagevorrichtungen benötigt. Dem Anlass angemessen, soll das Zimmer natürlich auch eine gewisse Behaglichkeit bieten. Dazu gehören ein neuer Fußboden und neue Wandfarben ebenso, wie Gardinen, Lampen und Bilder. Für die Eltern sollen eigene sanitäre Anlagen geschaffen werden. Darüber hinaus benötigen die Eltern auch ein Bett und Schränke. Eine kleine Sitzecke soll den Familien etwas Bequemlichkeit ermöglichen.

Die MHH hat den Großteil der nötigen finanziellen Mittel über die letzten zwei Jahre über Spenden zusammen bekommen. Die noch fehlende Summe hat HELP übernommen. Damit können die Baumaßnahmen für das Abschiedszimmer nun endlich beginnen.

www.mh-hannover.de

Mitgliederzeitschrift


Ausgabe 18
Neues aus dem Verein

→ Online blättern
→ Publikationen